Ein letztes Mal „Willkommen im Community Center„
Heute Früh haben wir das Community Center aufgesperrt wie an jedem Öffnungstag seit Jänner 2023. Im Café liefen ab dem Morgen die ersten Gespräche. Heute Abend sperren wir das Community Center zu – um 20 Uhr, wie an jedem Abend in den letzten 1276 Tagen. Aber morgen bleiben unsere Türen geschlossen.
Im Februar haben wir geschrieben: Wir wollen nicht, dass es so weit kommt. Heute ist es so weit. Das Community Center schließt. Ab morgen können wir euch hier nicht mehr unterstützen.
Es tut uns leid.
Bis zu 400 Menschen sind jeden Tag zu uns gekommen. Nicht, weil wir so schöne Räume haben. Sondern weil das Community Center für sie zu einem zweiten Zuhause geworden ist – und weil es sonst keinen Ort mehr gab, an den sie gehen konnten. Ab morgen gibt es auch diesen Ort nicht mehr.
Deshalb steht heute ein Satz über allem: Es tut uns leid.
Es tut uns leid und wir entschuldigen uns bei allen, die morgen vor einer verschlossenen Tür stehen werden. Bei allen, die auch zukünftig Betreuung und Beratung brauchen würden, aber diese nun hier nicht mehr bekommen werden.. Bei allen, die hier Woche für Woche Deutsch gelernt haben. Bei den Kindern aus den Kreativgruppen, die hier malen konnten, was sie nicht aussprechen können. Bei allen, die im Café für einen Moment vergessen konnten, dass sie alles verloren haben.
Ihr habt euch auf uns verlassen. Ihr habt euch auf die Sicherheit verlassen, die das Community Center bietet. Ab morgen gibt es diese nicht mehr. Wir wissen, was euch das nimmt. Genau deshalb haben wir so lange gekämpft. Und genau deshalb tut es so weh, dass es trotzdem nicht gereicht hat.
Wir würden euch heute gerne sagen, wohin ihr euch ab morgen wenden könnt. Wir können es nicht. Es gibt keinen vergleichbaren Ort, der das ersetzen könnte, was euch mit dem Community Center genommen wurde.
Sieben Monate haben wir es alleine getragen
Seit 1. Jänner 2026 bekommt das Community Center keinen einzigen Euro öffentlicher Förderung mehr. Nicht von der Stadt Wien. Nicht vom Bund. Wir haben trotzdem weitergemacht: mit Spenden, mit der Hilfe privater Partner, mit unzähligen Stunden ehrenamtlichen Engagements. Sieben Monate lang.
Wir haben in diesen Monaten gehofft, gerechnet, verhandelt und bis zur letzten Sekunde nach einer Lösung gesucht. Heute ist uns die Zeit ausgegangen. Nicht, weil niemand gewusst hätte, was auf dem Spiel steht. Wir haben es allen gesagt, die es entscheiden konnten. Es war ihnen egal.
Der Grund, warum es so weit kommt, ist einfach und bitter: Es fehlt der politische Wille, dass es weitergeht. Erst am 10. Juli– nach Monaten ohne Antwort und erst, nachdem wir erklärt hatten, dass wir nicht mehr können – wurde uns zum ersten Mal offen mitgeteilt: Es gibt keinen politischen Willen, einen Ort wie diesen in Österreich zu unterstützen. Sieben Monate lang haben wir eine Lücke gefüllt und geglaubt, sie sei ein Versehen. Sie war keines. Sie war eine bewusste Entscheidung.
Eines wollen wir klar sagen: An euch lag es nicht. Eure Unterstützung war überwältigend. Aber die Lücke, die die öffentliche Hand gerissen hat, kann die Zivilgesellschaft nicht auf Dauer alleine füllen. Nicht, weil sie nicht will. Sondern weil sie es nicht kann.
Vieles im Community Center war geschenkt: Zeit, Wissen, Herzblut. Eines war nie geschenkt: das Haus selbst. Miete und Betriebskosten sind der weitaus größte Teil unserer Ausgaben, und sie fallen jeden Monat an, Förderung hin oder her. Sieben Monate lang haben wir sie aus eigener Kraft gestemmt, haben alle Reserven genutzt. Jetzt ist dieses Geld aufgebraucht. Ohne die Räume gibt es kein Community Center. Und genau diese Räume können wir nicht mehr bezahlen.
Danke. Für dreieinhalb Jahre.
Danke an euch, unsere Besucherinnen und Besucher. Ihr habt aus leeren Räumen einen Ort gemacht, den es in Österreich kein zweites Mal gibt. Ihr habt uns euer Vertrauen geschenkt, eure Geschichten, euer Lachen. Ihr habt einander geholfen, übersetzt, zugehört, gefeiert. Die meisten Angebote in diesem Haus waren von Vertriebenen für Vertriebene gestaltet. Ihr wart nie nur Gäste. Ihr wart das Community Center und werdet für immer ein Teil davon bleiben.
Danke an alle Ehrenamtlichen, an alle Kursleiterinnen und Kursleiter. Ihr habt eure freie Zeit gegeben, über Jahre, unbezahlt und unbezahlbar. Ohne euch hätte es diesen Ort keinen einzigen Tag gegeben.
Danke an alle, die gespendet haben, und an die privaten Partner und Partnerinnen, die uns nicht alleine gelassen haben. Ihr habt uns sieben Monate geschenkt, die es sonst nie gegeben hätte. Sieben Monate Beratung, Kurse und warme Mahlzeiten. Das war kein verlorener Kampf. Das war ein Geschenk an tausende Menschen.
Heute Abend werden wir ein letztes Mal durch die Räume gehen. Wir werden die Stühle hochstellen, das Licht abdrehen und die Tür zusperren. Dann bleibt uns, was uns niemand nehmen kann: dreieinhalb Jahre Begegnungen, Freundschaften und die Gewissheit, dass dieser Ort für viele tausend Menschen ein Stück Zuhause war.
Wir werden euch vermissen. Jeden einzelnen Tag.
Euer Team von Train of Hope – Flüchtlingshilfe


